Historie

BKB Historie

Die Geschichte des Bethesda Krankenhaus Bergedorf

Der 9. April 1856 gilt als Gründungstag der Heilanstalt „Bethesda“. An jenem Mittwoch nimmt die Hamburger Kaufmannstochter Elise Averdieck (E. A.) mit einer Freundin den schwindsüchtigen Weber Johannes Bachmann zur Pflege auf. 1857 versorgt sie in einem gemieteten Haus auf dem Bogesch in Hamburg bereits 22 Kranke, von denen die meisten kein Kostgeld zahlen können. E. A. nennt das Haus „Diaconissen- und Heilanstalt Bethesda“. Bethesda, das bedeutet in diesem Sinne soviel wie „Haus der Barmherzigkeit“, nach dem Teich im biblischen Jerusalem aus Johannes 5, 1-9., dem man heilende Kräfte zuschreibt.

Für E. A. steht nicht nur der karitative Zweck im Vordergrund, sondern die Kombination von Krankenpflege und Diakonissenmutterhaus. Das bedeutet die optimale medizinische Versorgung der Patienten sowie die professionelle Ausbildung kompetenten Pflegepersonals. Die Organisation des Hauses beruht auf Vorschriften des Arztes und der Grundlage des christlichen Glaubens. Die private Einrichtung wird in erster Linie durch Spenden finanziert.

Am 09. Februar 1859 kauft E. A. ein Haus in der Stiftstraße in St. Georg. Am 10. Februar 1859 bildet sie ein Komitee zur Leitung des Krankenhauses sowie die mit den Rechten einer juristischen Person ausgestatteten rechtsfähigen milden Stiftung „Diakonissen und Heilanstalt Bethesda“. Die Angemessenheit des Krankenhauses wird durch ein Senats-Gutachten mit Auflagen bestätigt. So dürfen keine „Geisteskranke, Pockenkranke und Typhuskranke und andere an gemeinschädlichen Übeln Leidende“ aufgenommen und die Zahl von 30 Kranken aus Gründen der Raumkapazität nicht überschritten werden. 1860 wird Bethesda offiziell eine Ausbildungsstätte für christliche Krankenpflegerinnen und tritt als erstes Diakonissenmutterhauses Hamburgs dem Kaiserswerther Verband der Diakonissenmutterhäuser bei. Aus Altersgründen zieht sich E. A. im Herbst 1881 in den Ruhestand zurück. 90 Diakonissen zählt die Schwesternschaft zum Ende ihres Mandats als Bethesdamutter.

Der Umzug in einen Neubau in die Burgstraße in Hamm verdoppelt 1886 die Kapazität Bethesdas. Das neue Haus besitzt separate chirurgische und innere Abteilungen sowie Männer-, Frauen- und Kinder-Krankensäle. Spannungen und Expansion prägen die folgenden Jahre. 1887 erhält das Haus einen zehnköpfigen Gesamtvorstand, dem die Verwaltung der eingehenden Gelder und das Buch- und Rechnungswesen unterstehen, sowie einen zweiköpfigen Hausvorstand zur inneren Leitung. Interessenkonflikte der Gremien führen zum Bruch. Am 01. April 1905 verlässt Oberin Helene Hartmeyer mit 66 Schwestern das Mutterhaus, zieht in das hannoversche Rotenburg/Wümme und gründet das ev.luth. Diakonissenmutterhaus Rotenburg/Wümme. Bethesda verliert die Mitgliedschaft des Kaiserswerthers Verband. Acht Schwestern in Hamburg bilden den Stamm für eine neue Gemeinschaft, die seit 1911 mit dem Evangelischen Diakonieverein Berlin Zehlendorf e.V. in engem Kontakt steht und diesem am 01.10.1943 beitritt. E. A. hält bis zu ihrem Tod am 4. November 1907 zu beiden Häusern.


Bis 1929 vergrößert sich das Haus auf 170 Betten und die Schwesternschaft auf 28 Mitglieder. Im zweiten Weltkrieg wird Bethesda am 25. Juli 1943 völlig zerstört. Personal und Patienten werden in das staatliche Ausweichkrankenhaus in Rickling und in das Armenhaus in Mölln verlegt. 1946 gelingt es erneut eine Anstalt in gemieteten Räumen in der Abendroth Klinik in Hamburg in der Hammer Landstraße mit 70 Betten zu betreiben. Mit dem ersten Spartenstich am 8. Mai 1952 errichtet die Stiftung schließlich den Neubau des „Evangelischen Krankenhauses Bethesda“ im Glindersweg in Hamburg Bergedorf. Das Haus verfügt über 235 Betten, eine Chirurgische und Innere Abteilung, eine Röntgenabteilung sowie eine geburtshilfliche-gynäkologische Abteilung. 1971 modernisiert die „rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts der evangelischen Stiftung Bethesda“ ihre Satzung. Dadurch erhält ein 19köpfiger, ehrenamtlicher Gesamtvorstand die Geschäftsführung. Die Ausführung liegt bei einem sechsköpfigen Hausvorstand.

Die räumliche Nähe zum 1912 erbauten städtischen Allgemeinen Krankenhaus Bergedorf am Gojenberg und wirtschaftliche Überlegungen führen im Juli 2000 zur Fusion der Häuser, die mit dem Umzug in einen Neubau am Glindersweg im April 2004 abgeschlossen ist. Gesellschafter des „Bethesda - Allgemeines Krankenhaus Bergedorf gemeinnützige GmbH“ mit 318 Betten sind zu gleichen Teilen die Evangelische Stiftung Bethesda und der Landesbetrieb Krankenhäuser der Stadt Hamburg. Die Zusammenlegung eines staatlichen und eines privaten Krankenhauses ist ein Novum der deutschen Krankenhausgeschichte und bedingt die Neufassung der Satzung sowie die Umbenennung in Evangelische Stiftung Bethesda. Die Leitung der Stiftung obliegt einem dreiköpfigen Vorstand. Durch den Kauf der städtischen Anteile ist die Stiftung seit Oktober 2006 wieder alleinige Gesellschafterin der Klinik und nennt sie im November 2009 „Bethesda Krankenhaus Bergedorf gemeinnützige GmbH“ (BKB).

Elise Averdieck: Leben und Wirken

Als bedeutende Persönlichkeit der Hamburger Erweckungsbewegung und emanzipatorischer Strömungen des 19. Jahrhunderts, zeichnete sich Elise Averdieck durch ihr couragiertes soziales Engagement über die Grenzen Hamburgs aus. Zeitgleich mit Prominenten, wie Amalie Sieveking (1794-1859) oder Johann Hinrich Wichern (1808–1881), setzte sie Dank ihres eigenen Ansatzes weiblicher Diakonie bis heute wichtige Impulse.

Als Privat-, Sonntagsschullehrerin, Kinderbuchautorin, Jugendschriftstellerin und private Krankenpflegerin, zeigte sich früh ihr pädagogisches Geschick und gesellschaftskritischer Sinn. Aus einem tiefreligiösen Verständnis, ihrer Frömmigkeit und ihr Luthertum wurde sie Gründerin und Leiterin des ersten Kranken- und Diakonissenmutterhauses „Bethesda“ in Hamburg, welches sie 21 Jahre leitete. Averdieck verstand es, ihre Möglichkeiten als Frau in einer patriarchalen Gesellschaftsstruktur zu nutzen. Neben Frauen wie Amanda Böhme-Wichern, Caroline Bertheau oder Amalie Sieveking, gesellte sich Averdieck in eine Reihe von couragierten Frauen, die öffentlich sozial-karitativ aktiv wurden und bediente sich bereits erprobter Modelle weiblicher Sozialarbeit. Aufgrund ihres Engagements wurde Averdieck postum 1990 in die Reihe der zwölf neuzeitlichen Apostel und Apostelinnen der Apostelkirche Hamburg-Eimsbüttel aufgenommen. Im Altarraum der Kirche erinnern Porträts von Persönlichkeiten der neueren Geschichte an deren beispielhaftes Wirken im Dienste der Menschheit.

Elise Averdieck wurde am 26. Februar 1808 in Hamburg geboren, der Stadt, welche den Mittelpunkt ihres beinahe hundertjährigen Lebens bildete. Als zweites von zwölf Kindern wuchs sie in einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie auf. Schon früh wurde sie in Erziehungs- und Haushaltsaufgaben einbezogen. Geprägt durch die Not in der Franzosenzeit 1813/14 erstarkte in ihr der Wunsch, der sozialen Verelendung entgegen zu treten. 1829 begann E. A. als Gesellschafterin einer älteren Dame selbständig ihren Lebensunterhalt zu sichern und machte erste Erfahrungen in der Krankenpflege.
Von 1832-1837 war sie als Pflegerin und Erzieherin in einer kleinen orthopädischen Privatklinik tätig und pflegte 12 kranke Mädchen. In ihren Memoiren berichtet E. A. von einem entscheidenden Bekehrungserlebnis am 3. November 1835 und einer damit verbundenen Hinwendung zu einer innigen Jesusliebe.

1837 eröffnete sie in St. Georg eine Vorschule für Knaben, leitete die Mädchenabteilung der Sonntagsschule des Pfarrers Johann Wilhelm Rautenberg (1791–1865) und arbeitete in dem von ihrer Freundin Amalie Sieveking gegründeten Frauenverein für Armen- und Krankenpflege. In den Jahren 1856 – 1881 wurde E. A. zur Bethesdamutter und Gründerin der Heilanstalt Bethesda, eines bewusst christlichen Kranken- und Diakonissenmutterhaus, sowie Vorsteherin einer kleinen Gemeinschaft von Diakonissen. 1869 ermöglichte sie die Gründung einer unabhängigen Diakonissenanstalt in Braunschweig. Im Herbst 1881 legte E. A. ihr Amt nieder und zog sich in den Ruhestand zurück. Sie verstand sich weiter als Diakonisse, blieb als Schriftstellerin tätig, nahm rege am öffentlichen Leben teil und lebte in bescheidenen Verhältnissen mit einer Groß-Nichte in Hamburg. Als hoch geehrte Greisin, nach der Straßen und Institutionen benannt sind, starb E. A. am 4. November 1907 in Hamburg und wurde auf dem Jacobifriedhof beerdigt.

Zu ihren literarischen Werken gehören:

  • Der Hamburger Brand (1842)
  • Kinderleben. I: Karl und Marie, (1850, 2. Auflage 1887)
  • Kinderleben. II: Roland und Elisabeth (1851)
  • Kinderleben. III: Lottchen und ihre Kinder (1870, 2. Auflage 1877)
  • Kinderleben. IV: Tante auf Reisen (1883)
  • Erlebnisse aus alter und neuer Zeit (1880)
  • Bethesda. Rückblicke (1887)
  • Mein (1890)
  • Schulmeisters Spitz und seine Bekannten (1894)

Jüngste Geschichte des Bethesda Krankenhaus Bergedorf

Im Juli 2000 entstand aus der Fusion des Evangelischen Krankenhauses Bethesda und des Allgemeinen Krankenhauses Bergedorf das Bethesda - Allgemeines Krankenhaus Bergedorf (BAKB). Nach einer Bauzeit von zwei Jahren wurde der im Jahre 2000 eingeleitete Fusionsprozess beider Bergedorfer Krankenhäuser mit dem Umzug an den Glindersweg 80 am 21. August 2004 abgeschlossen.

Seit November 2009 heißt das Bergedorfer Klinikum:

„Bethesda Krankenhaus Bergedorf gemeinnützige GmbH“ (BKB).

Alleiniger Träger des Hauses ist die Evangelische Stiftung Bethesda.