21. Juni 2018 Patientenforum: Zwangsgedanken und -handlungen - was ist normal, wann brauche ich Hilfe?

Ständiges Händewaschen, übermäßige Kontrollen beim Verlassen des Hauses, penibles Ordnung halten – viele Menschen entwickeln Rituale, die ihnen scheinbar Sicherheit geben. In besonderen oder veränderten Lebenssituationen können sie hilfreich sein, weil sie Halt geben. Dr. Claas Happach, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Bethesda Krankenhaus Bergedorf (BKB) kennt viele Beispiele: „Junge Menschen, die gerade Eltern geworden sind, entwickeln manchmal aus der Unsicherheit im Umgang mit der neuen Lebenssituation heraus Rituale, an denen sie ihr Leben ausrichten. Was einmal geholfen hat, wird wiederholt – da verschwimmen die Grenzen zwischen Aberglaube und Zwangsgedanken.“ Aber was ist normal, wann braucht man Hilfe? Dr. Happach: „Wenn die Zwangsgedanken und Zwangshandlungen den Alltag massiv beeinträchtigen, wenn man sich ohne die gewohnten Rituale hilflos und orientierungslos fühlt, sollte man zunächst mit dem Hausarzt darüber reden. Alternativ kann man sich aber auch an unsere psychiatrische Tagesklinik wenden und sich dort über Behandlungsangebote informieren.“
Aus Zwangsgedanken und Zwangshandlungen können ohne Behandlung Zwangsstörungen werden. Jüngstes Beispiel ist die Fernseh-Maklerin Hanka Rackwitz. Sie hat ihre Zwänge und Ängste öffentlich gemacht. Aus Angst vor Keimen kann sie die Klinke ihrer Haustür nur mit Hilfsmitteln anfassen, trägt Gummistiefel, weil sie hineinschlüpfen kann, ohne sie anzufassen. 100mal wäscht sie sich am Tag die Hände, würde gerne mit Vernunft diese Zwänge abschalten, aber durch ihre Panik ist die Vernunft ausgeschaltet. So weit kommt es nur selten. Dr. Happach: „Viele Zwangsgedanken und Zwangshandlungen sind vollkommen normal und führen nicht in eine Zwangsstörung.“ Wer wissen möchte, wie man sich selbst beobachten kann und worauf man achten sollte, erfährt von Dr. Happach mehr darüber beim Bethesda Patientenforum am Donnerstag, 21. Juni 2018, 18:30 Uhr im Konferenzraum 1 des Bethesda Krankenhaus Bergedorf, Glindersweg 80. Nach seinem Vortrag steht Dr. Happach Besuchern für Gespräche und Fragen zur Verfügung. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei.